Roberdo Raval – Hedonistic Freelancer

Stoked

Dezember 22nd, 2009

Nun surfe ich also wieder im Internet und nicht mehr in den Wellen des atlantischen Ozeans. Die vergangene Woche war für mich definitiv die beste des laufenden Jahres, und das mit Abstand. Nun gut, zwei weitere stehen ja noch an und mit ihnen ein paar viel versprechende Partys, aber es wird verdammt, verdammt schwierig, die großartigen Erlebnisse meines letzten Surftrips zu toppen. Im Folgenden findet sich ein Auszug meines Reisetagebuchs, welches ich beseelt von der Euphorie des jeweiligen Tages während der Abendstunden in die Tasten meines Smartphones gehauen habe.

Donnerstag

Aus unerfindlichen Gründen habe ich in der Nacht nur oberflächlichen Schlaf gefunden. Zudem bricht der Muskelkater in voller Stärke durch. Entsprechend wortkarg und langsam bin ich am Morgen. [...] Die alltägliche Suche beginnt. Im Hafen des kleinen Ortes rollen ausgesprochen schöne Wellen heran, deren Höhe das Niveau meiner Fähigkeiten jedoch deutlich übersteigt. Auch an der Westküste wirft der Ozean nach wie vor gewaltige Wasserberge an Land, wenn sie sich auch nicht mehr ganz so hoch auftürmen wie gestern. Ein einsamer Profi traut sich hier schon wieder in die Fluten. Die Suche geht weiter auf den ruckeligen Pisten entlang der Nordküste, vorbei an tubulären Wellen, die mit ihrer spektakulären Eleganz in einschlägigen Videos oder auf Postern zu sehen sein könnten. Auch hier trauen sich nur die echten Profis ins Wasser, so kommt uns die deutsche Meisterin entgegen. Der Spot, an welchem wir gestern so viel Spaß hatten, wirkt heute dagegen ziemlich glatt und unspektakulär, als wir mit dem Wagen halten. Schon ist der Gang zum Weiterfahren eingelegt, da rollt das erste Set heran. Wir sind am Ziel.

spot sin nombre #1Eine Viertelstunde später sind Müdigkeit und Muskelkater vergessen, als mir die salzige Gischt beim Hinauspaddeln ins Gesicht spritzt. Ganz alleine bin ich auf diesem Riff, wo bilderbuchartige, weiche und nur etwas über-kopfhohe We?len brechen. Die Routine setzt ein, vorbei ist jegliche Angst vor der Waschmaschine und mehr als jemals zuvor habe ich das Gefühl, mit den Wellen zu spielen. Vier oder fünf lange, saubere rides gelingen mir in der folgenden Stunde. [...] Die letzte Welle des Tages erwische ich präzise an ihrer Schulter und reite sie dort bis zu ihrem Ende. Als ich das Wasser schließlich wieder verlasse, habe ich ein breites Grinsen auf den Lippen und spüre kaum, wie das scharfe Lavariff meine Füße zerschneidet. [...] Die erschöpfte Zufriedenheit, die ich am Nachmittag im Liegestuhl auf dem Balkon verspüre, ist höchstens mit jener nach gutem Sex oder einem guten psychedelischen Rauscherlebnis zu vergleichen: Stoked.

Leave a Reply

Name

Mail (never published)

Website

*




Rss Feed Tweeter button